Kapitel 20 „ Crash Kurs“

Der Lockdown verlief ziemlich unspektakulär, man konnte ja nicht viel machen! Ab und zu einkaufen fahren war schon ein Highlight! Mal kurz raus aus der Blase und Menschen sehen! In Portugal war es zu dieser Zeit noch am sichersten in ganz Europa, Portugal hatte die niedrigsten Inzidenzen Europaweit! Ganz anders sah es in Spanien aus, da gab es Ausgangssperren und Kontrollen! Man hörte von hohen Strafen wenn man das Haus ohne triftigen Grund verließ und auch sonst schien die Guardia Civil nicht viel Spaß zu verstehen!

Im Camp war es sehr entspannt, ein paar fuhren manchmal ganz früh morgens mit dem Rad zum Strand um etwas zu surfen ,kamen aber mittags wieder, und meinten dass alles Menschenleer sei und es keine Probleme gab! Andere fuhren zum nahegelegenen Skatepark und schreddeten dort ein wenig! Alles in allem war es aber ziemlich ereignislos , und so versuchten wir die Zeit etwas spannender zu gestalten und machten Camp interne Events! Das erste war eine open Stage, wir bauten eine kleine Bühne auf, und jeder der wollte durfte für 30 min etwas aufführen, ob Gesang , Tanz , Gedichte was auch immer! Das war natürlich ein gefundenes Fressen für Troubadix, er nutze die 30 min bis zur allerletzten Minute aus, und feuerte uns französische chansons um die Ohren und auch ein deutsches Lied! Axel rappte was, dann haben noch 3 kleine Mädels eine art Beyoncé Tanz aufgeführt , ein paar selbst geschriebene Lieder wurden zum besten gegeben und auch sonst war es ein recht netter Nachmittag! Ich hielt mich da raus, weil ich irgendwie keinen Geltungsdrang verspürte!

Wir haben irgendwann auch noch mal einen Karaoke Abend gemacht, der dann im Laufe der Zeit öfter wiederholt wurde! Das einzige Problem dabei war, dass es je später es wurde, immer lauter wurde, da auch der Alkoholpegel stieg! Anscheinend macht Alkohol auch taub, das habe ich während meiner eigenen trinkzeit irgendwie nie so richtig mitbekommen!

Wie ich ja schon mal erwähnte musste ich mich mit ein paar Dingen mit mir selbst auseinander setzen , wozu ich ziemlich viel Zeit hatte! Ich wollte glücklicher werden, mit mir selber! Nicht mehr so sehr abhängig vom außen sein! Ich wurde ja ziemlich von dem Thema Spiritualität überhäuft während der Zeit mit meiner Ex Freundin, damals habe ich vieles nicht verstanden! Mittlerweile habe ich aber einige Dinge gelernt! Ich fühlte mich alleine immer wohler! Ich genoss die Ruhe regelrecht! Mich hat bei dem ganzen Thema immer nur eine Sache sehr gestört! Wie bei so vielen Dingen ist das nach außen tragen einer Sache immer sehr anstrengend! Ich muss mir da natürlich auch an meine eigene Nase fassen, weil ich das sehr oft im Leben selbst getan habe, deshalb nervte es mich vermutlich auch so! Der berühmte Spiegel! Ich hatte Probleme damit wenn zuviel geschiss um das Thema Spiritualität gemacht wurde! Wenn es zu sehr in die esoterische Ecke ging mit Kristallen, Räuchern, Namen tanzen und dem ganzen Kram um zu zeigen wie krass spirituell jemand ist! Spiritualität war für mich etwas privates, etwas das nach innen gehen sollte, nicht nach außen! Dieses ganze , seht her wieviel ich weiß, und was ich alles mache um spirituell zu leben war mir zu wider ! Da war immer das Ego im Spiel, und das gilt es ja in den Griff zu bekommen, so verstand ich es zumindest! Auch diese ganze Guru und Schamanen Szene war ein Haufen angesammelter Egos die ich so nicht in meinem Leben wollte! Davon gab es aber eine Menge in Portugal!

Also versuchte ich mit mir selbst das alles auszumachen, ich tat worauf ich lust hatte, aß worauf ich lust hatte, und trank worauf ich Lust hatte, denn ich wollte das tun was mich glücklich machte, das einzige was ich dabei immer versuchte zu beachten war es bewusst zu tun, zu wissen was ich grade tue! Ich beobachtete meine Gedanken, und versuchte zu sehen was da in meinem Kopf los war, und mich mit dem was da über die Leinwand schoss nicht zu identifizieren bzw nicht alles zu glauben was da so vor sich hin flimmerte ! Die Entscheidung nicht mehr zu trinken hatte nichts damit zu tun, das war mehr ein Break den ich für mich haben wollte damals, aus dem mittlerweile 2,5 Jahre geworden sind, aber auch nur weil mir Alkohol nicht mehr schmeckt ! Ich muss dazu sagen dass ich Bier liebe, aber halt ohne Alkohol, der brannte mittlerweile regelrecht im Mund, sogar bei einem normalen Bier!

Dieses ganze du darfst das oder jenes nicht wenn du so oder so sein willst war für mich absolut nicht plausibel! Wenn du etwas nicht machst, aber innerlich total Lust drauf hast, verbiegst du dich nur , auch wenn es gut wäre wie zb Veganismus oder Vegetarisch leben! Aber das sollte man wirklich wollen und absolut überzeugt davon sein, und nicht machen weil es jemand oder du selber von dir erwartest weil als spiritueller Mensch darfst du das ja nicht! Das sind alles Dogmen für mich, die nichts mit innerer Freiheit zu tun haben, denn dann leidet man nur, und auf kurz oder lang isst du sowieso bei der nächst besten Gelegenheit wieder ne Bratwurst, und leidest dann doppelt weil du dich auch noch schlecht fühlst weil du nicht stark genug bist, fängst an ,an dir zu zweifeln und der Teufelskreis geht von vorne los und dein Ego freust sich ein zweites Loch in den Hintern ! Ich habs erlebt! Been there, done that! Mach das was dich glücklich macht, zwinge dich zu nichts und versuche dabei niemanden auf die Füße zu treten! Auch wenn jetzt alle Veganer aufschreien ich trete nicht nur, ich töte auch! Ja Ihr habt recht, aber quälen will ich mich selber auch nicht, da ich noch nicht soweit bin das aus voller Überzeugung zu machen! Vielleicht kommt der Punkt ja irgendwann, wer weiß! Es gibt in vielen Religionen die Ansicht, dass du aus Verzicht die Erleuchtung erlangst! Ich habe von keinem gehört der Jahrelang in einer Höhle lebte, und auf alles verzichtete und jetzt die Erleuchtung lebt! Es ist auch alles individuell, und es gibt auch keine Formel dafür! Sich aber selber zu irgendwas zwingen ,nur weil es dieser oder jener gesagt haben soll, scheint für mich der absolut falsche Weg zu sein! All die „Gurus“ und „Lehrer“ machen das nur aus einem Grund, dem Ego, sonst würden sie kein Geld dafür verlangen und es zum Wohle der Menschheit tun! Denkt mal drüber nach! Wenn Hilfe Geld kostet, ist es keine Hilfe mehr, sondern ein Job oder Dienstleistung, und die will anerkannt werden, Hallo Ego!

Der Feind ist nicht das Fernsehen, die carbs die du zu dir nimmst oder die wurst die du isst, der Feind sitzt tief in dir, dein Ego! Das habe ich für mich gelernt , und danach lebe ich! Nicht Mantra singend durch die Gegend schwebend , auch nicht mit Räuchergut durch den Wald tanzend, sondern ganz normal und geerdet ! Spiritualität ist was ganz wundervolles, wenn es richtig benutzt wird! Man braucht keine Schublade in die man gehört, man muss nicht irgendwo dazu gehören, man ist selbst frei, frei von Zwängen , frei vom Müssen, man ist im besten Falle die schönste Version von sich selbst! Der beste Moment damit anzufangen ist Jetzt!

So ging der April dahin, ziemlich Aufregeungslos, und es kam die Nachricht dass Anfang Mai die Strände wieder öffnen sollten! Was ein Segen, endlich wieder am Strand abhängen und das Meer sehen, offiziell!

Also beschlossen wir im Camp einen Ausflug zum Strand zu machen! Wir fuhren mit mehreren Autos nach Quarteira, waren etwa 15 Leute! Wir hatten nen Grill dabei, surfboards und ich mein Bodyboard! Die Wellen waren etwas wild aber ok für kleinere Sessions! Allerdings gab es einen ziemlich heftigen Beachbreak! Das bedeutet , dass die Wellen direkt am Strand brachen! Man musste also erstmal da durch um weiter hinten surfen und boarden zu können! Die Höhe betrug geschätzt etwa 1,5 bis knapp 2 m, Die Wellen waren nämlich höher als ich, während ich am Ufer stand!

Da ich mit meinem Bodyboard nur schwer drunter durch tauchen konnte, musste ich versuchen über die Welle zu springen, eine Leash ( ein Seil das mit dem board befestigt ist) hatte ich nicht mehr für das bodyboard, das wurde irgendwann mal abgerissen! Also ging ich runter an den Strand und versuchte über eine Welle zu springen mit dem Board! Alle was ich dann noch weiß ist dass in dem Moment indem ich hochsprang die Welle brach, und mich Kopfüber auf den Strand spuckte! Es knackte super laut im Genick und mein erster Gedanke war „ das wars, jetzt bist du Querschnitts gelähmt“ ! Aber ich konnte schmerzen in der Schulter spüren, und bekam kaum Luft! Ich robbte aus der Brandung und versuchte wieder zu Sinnen zu kommen um rauszufinden was evtl alles kaputt sein könnte an mir! Füße konnte ich bewegen, meine arme auch, also war es Glück im Unglück, nur meine linke Schulter schmerzte tierisch! Die anderen hatten alles mitbekommen, und kamen direkt angerannt! Mir wurde gesagt ich sei total blass, und hier und auch etwas blutig! Also wurde ich langsam zurück gebracht zu unserem Platz! Dort lies langsam der Schock nach, und der Schmerz stellte sich ein! ich wurde dann zurück zum Camp gebracht , weil ich nicht zum Arzt wollte, sondern erstmal schauen ob sich das alles auch von alleine wieder richtet! Ich konnte den linken Arm kaum bewegen, aber ich kam zurück in mein Bett im Bus, und versuchte erstmal eine Position zu finden die nicht weh tat! Ich hatte mir eine sehr starke Prellung zugezogen, mit diversen Zerrungen an der Schulter und Oberarm! Versuch dir so mal den Hintern abzuwischen, das war echt kein Spaß!

Ich konnte aber glücklicherweise den Xbox controller problemlos halten, so war die Zeit im Bus dann doch recht erträglich! Im camp kam immer mal jemand vorbei und schaute nach mir und brachte mir was vom einkaufen oder von der Apotheke mit, was echt toll war und ich extrem dankbar dafür war! Nur der weg zur Toilette oder Dusche war jeden Morgen eine große Herausforderung, und oft auch sehr schmerzhaft! Aber mit der Zeit wurde es etwas besser, und ich beschloss den Arzt erstmal Arzt sein zu lassen! Nur zum Zahnarzt musste ich irgendwann, da ich mir bei der Nummer auch noch einen zahn ganz ausgeschlagen, und 2 abgebrochen hatte, aber zum Glück taten die nicht weh! Aber dafür musste ich erstmal etwas fitter werden.

So, was sonst noch so passiert ist, erfahrt ihr im nächsten Blog, der Sommer startete nämlich voll durch! Bis dahin , ich hoffe ihr hattet wieder mal Spaß beim lesen, verbleibe ich mit lieben Grüßen

Ahoi und guuuude

Justin


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4 Antworten zu „Kapitel 20 „ Crash Kurs““

  1. Avatar von wissenundwollen

    Diesen Beitrag werd ich mir noch zwei- , dreimal durchlesen. Da steckt viel Inspiratoon drin, danke dafür.

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    1. Avatar von Justin Eaton

      Ich danke dir 🙏🏻

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  2. Avatar von Daniela Kehm
    Daniela Kehm

    Gleich verschlungen. Ohje Glück gehabt das nicht mehr passiert ist. Wahre Worte die du da schreibst. Das zutun mit dem man selbst Glücklich ist. LG aus Ffm

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    1. Avatar von Justin Eaton

      Vielen Dank,ja das hatte ich tatsächlich! Und danke für deine lieben Worte ! 😊🙏🏻

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