Kapitel 19 „ Lockdown“

Da wir alle ja nicht wussten wie lange der ganze Spuck dauern würde, suchte sich jeder erstmal ein Plätzchen zum stehen im Camp! Nach und nach kamen auch immer mehr „Flüchtlinge“ an, jeder war etwas verunsichert aber dennoch froh in diesem Moment in Portugal zu sein, es gab definitiv beschissenere Orte um im Lockdown zu sein! Mittlerweile waren auch die Grenzen dicht, was dazu führte das Momo in Spanien feststeckte, und Totti und Josh in Marokko! Wir hielten über eine Whatsappgruppe Kontakt, informierten uns gegenseitig wie es uns ging und teilten uns die jeweiligen News der Länder mit! Ich persönlich hatte mächtiges Glück im Unglück, da ich ja kurz vor dem Lockdown gearbeitet hatte und somit für mehrere Monate safe war was Geld betraf! Keiner wusste wann wieder gearbeitet werden konnte oder wie man in so einer Situation an Geld kommen könnte!

Wir waren ein bunter Haufen in dem Camp, aus aller Herren Länder, Franzosen, Brasilianer, viele deutsche , Australier, Spanier, Engländer, Holländer ,Italiener usw! Im laufe der Zeit wuchs die Anzahl der Leute auf 40 an, was Thilo dazu bewog einen Aufnahmestopp auszurufen ! Erstaunlicherweise war alles sehr harmonisch und friedlich! Bis auf einen Franzosen, den wir Troubadix tauften, da er ständig, überall und zu jeder Zeit Aufmerksamkeit suchte indem er Gitarre spielte und sang, auch dann wenn es niemand hören wollte vor allem früh morgens, und er ständig mit der Gefahr spielte wie eben dieser Troubadix aus Asterix und Obelix an den Füßen gefesselt und mit Klebeband über dem Mund im Baum hängend zu enden, war es alles sehr gemeinschaftlich! Einige waren öfter in diversen Sphären unterwegs und grinsten nur den ganzen Tag, andere saßen zusammen diskutierten über corona, wieder andere spielten cross Golf im Wald oder machten sonst was! Auf jeden fall füllte sich der Platz recht rasch, so dass ich umziehen wollte auf dem Gelände da es mir doch etwas zu eng wurde an meinem Platz!

Es gab 2 Ebenen in dem Camp! die untere wo die Duschen und das Gemeinschaftszelt waren , wo auch die meisten standen, und eine obere Ebene, eine große Wiese auf der vereinzelt ein paar Camper standen! Ich entschloss mich nach oben zu ziehen, da dort mehr ruhe war! Wir gaben den beiden Ebenen auch Namen, unten war die „ lower east side“ und oben habe ich den Platz „Silent Hill“ getauft! Oben wurde nämlich nicht gefeiert oder laut Musik gehört da dort in der nähe der Vermieter des ganzen Geländes gewohnt hat, und man ihn natürlich nicht nerven sollte und wollte!

Wir standen da auch sehr weit voneinander entfernt, so dass jeder seine Ruhe hatte, was mir persönlich sehr wichtig war, denn egal welche Art von Party gefeiert wurde, hatte ich immer das Gefühl „ kenn ich schon, alles schon gesehen!“ naja mit fast 50 und über 20 Jahren Punkrockband im Gepäck habe ich tatsächlich schon so ziemlich jede Art von Party oder Orgie gesehen! Da muss schon was kommen um mich aus dem Bus zu locken! Und außerdem war ich ja immernoch nüchtern unterwegs, und die ständigen Saufgelage waren mir dann auch zu anstrengend! Also war Ruhe mein Ziel!

So wirklich viel passierte in der ganzen Zeit nicht wirklich, wir versuchten uns alle mit der Situation zu arrangieren, und das beste draus zu machen! Jeder versuchte so gut es ging auf alle anderen Rücksicht zu nehmen, und es blieb die meiste Zeit auch sehr harmonisch und friedlich! Wir wuchsen alle immer mehr zusammen, und es entstand eine Art familiäre Atmosphere!

Als ich noch in Frankfurt gewohnt habe war ich leidenschaftlicher Xbox Spieler! Das war das einzige was ich die ganze Zeit im Bus vermisst habe! Ab und zu mal mit meinen Kumpels online zocken! Ich dachte mir, das kannst du im Bus halt nicht machen, wegen Strom und internet und so, aber ich hatte ja Internet , in Portugal gibt es eine Datenkarte von NOS dem ansässigen Anbieter wo man für 1 Euro pro Tag Flatrate Internet kaufen kann und Strom hatte ich ja auch vom Camp, also wieso nicht? Gesagt getan, ich fuhr mit Axel in ein Einkaufszentrum und holte mir ne Xbox, und tatsächlich lief alles einwandfrei ,nur spiele runterladen dauerte halt mal so 2 bis 3 Tage! Der Lockdown war gerettet!

Ich hatte nun also alles was ich brauchte und wollte in meinem Bus , war im sonnigen Portugal, hatte genug Geld um mehrere Monate zu überleben und war umgeben von interessanten und tollen Menschen! Es hätte mich durchaus schlimmer treffen können!

So zogen die ersten Wochen des Lockdowns dahin, und es fühlte sich alles gar nicht so schlimm an! Einmal die Woche zum einkaufen ne Maske anziehen ,ansonsten grillen, zocken, chillen, ab und zu ne Party im Camp, und nette Gesellschafft! Geht definitiv schlechter!

Aber der Lockdown zog sich , und wie es weiter geht erfahrt dann im nächsten Blog , denn ich hatte mächtig Glück dass ich grade überhaupt hier sitze und euch das alles erzählen kann! Dazu aber mehr im nächsten Blog!

Bis dahin,

Ahoi und guuuude,

Justin


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Eine Antwort zu „Kapitel 19 „ Lockdown““

  1. Avatar von wissenundwollen

    Das Lesen macht doppelt Spaß, wenn man die location kennt. Und nein, es nimmt so gar nichts von der Spannung.
    Im Gegenteil, ich freue mich schon auf das nächste Kapitel, um es mit meinen Erinnerungen „abzugleichen“ 🤩

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