KAPITEL 6 „ Alles auf Anfang! „

Foz do Lisandro

Ja, also irgendwie kam der Moment dann doch schneller als gedacht! 

Wir waren noch in Ferrel , irgendwo zwischen Peniche und Nazaree, und hatten ein längeres Gespräch bei mir im Bus, eigentlich wollten wir am nächsten Tag ein erneutes Date haben, aber irgendwie ist das Gespräch in eine Richtung abgedriftet, die ich eigentlich so nicht wollte! Letztlich haben wir uns gemeinsam dazu entschlossen an dieser Stelle getrennte Wege zu gehen! Ich war am Boden zerstört! 

Da stand ich nun, alleine in meinem Bus! Was war passiert, wie konnte es soweit kommen? Mein Kopf explodierte vor Fragen, und ich hatte Heul Attacken die wie die Wellen von Nazare auf mich einschlugen! Ich konnte, nein, ich wollte es nicht begreifen! Und genau das war mein Problem, mein Ego! Es dachte es hätte etwas verloren was ihm gehörte! Dieser kleine Bastard sollte mich noch eine ganze Weile drangsalieren !

Am nächsten Morgen verabschiedete ich mich noch von den beiden, packte meine 7 Sachen und fuhr los! Nur wohin, und warum? Nichts machte mehr Sinn, ich war im Paradies aber alles was ich sehen konnte war meine eigene kleine Hölle! Da war sie , die Urangst die ich die ganze Zeit hatte, nun musste ich mich ihr stellen, ob ich wollte oder nicht, ich war auf mich gestellt, alleine ,in einem fremden Land!

Ich hatte während der letzten Wochen öfter mit meinem Kumpel Finn geschrieben, er ist auch Tätowierer und kommt aus Flensburg! Er wollte im Juli mit seinem Bus auch nach Portugal kommen, und schwärmte mir immer von Ericiera vor! Das war mein einziger Anhaltspunkt, bzw eine Richtung in die ich fahren konnte! Ich war wie gelähmt, konnte keinen klaren Gedanken fassen und bin froh dass ich es dorthin geschafft habe! Im Auto hatte ich eine Playlist laufen , und Sie gab es mir richtig dreckig, „Love hurts “ von Incubus kam, und diverse andere Lieder die mich an unsere gemeinsame Zeit erinnerten, ich kam mit dem vorwärts skippen kaum hinterher!

Ich bin dann unterwegs noch in einem Lidl etwas einkaufen gegangen! Ich bin wie ferngesteuert durch die Gänge gewandert, ich weiß gar nicht mehr was ich tatsächlich eingekauft hatte! Auch die Fahrt nach Ericiera , was zum Glück nicht weit war ca 2 std Fahrt, war wie im Film! Es grenzt an ein Wunder dass ich es unbeschadet dorthin geschafft hatte!

als ich in Ericiera ankam, versuchte ich erstmal einen Stellplatz zu finden, aber egal wo ich mich hinstellte, ging es mir nach 5 min so dreckig, dass ich wieder weg fuhr! Ja Autofahren kann auch eine gute Ablenkung sein, nur konnte ich ja schwer die nächsten Wochen bis es mir etwas besser ging in Dauerschleife durch Ericiera fahren! Also entschloss ich mich auf einen Campinplatz in dem Ort zu fahren, evtl würden mir ein paar Menschen gut tun!

Camping Ericiera

Der Campingplatz liegt genau neben einem großen Surfshop, dem „Boardriders Ericiera“, was sich für mein Reise Budget als sehr fatal rausstellte! Sowas hatte ich noch nicht gesehen! Da gab es eine Bar im Shop, unzählige Boards und Klamotten, auf der Terasse gab es noch eine Bar und direkt davor ein Riesen Skatepark! Jeden Freitag Abend gab es ein Konzert, natürlich for free! Wenn im Herzen irgendwo ein Loch entsteht, versuchen wir es gerne durch Konsum zu stopfen! Also los, neue Klamotten mussten her, Frauen gehen gerne zum Friseur wenn ein neuer Lebensabschnitt beginnt, ich wollte zumindest, wenn ich schon innerlich zerstört war zumindest außen Schick sein! Es ist natürlich totaler Quatsch, bringt absolut nichts außer ein leeres Portmonee, aber für den Moment tat es gut! Das redete ich mir zumindest ein! 

Auf dem Campingplatz angekommen, suchte ich mir erstmal ein lauschiges Plätzchen ! Neben mir standen noch weitere Busse, weit genug weg um meine Ruhe zu haben aber immernoch nah genug um mal etwas Gesellschaft zu haben! Ich wurde auch prompt von ein paar deutschen zum Grillen eingeladen! Gut , als Vegetarier der ich da noch war ,schwierig! Ich hatte auch seit 6 Monaten keinen Alkohol getrunken zu dem Zeitpunkt, und so kam ein Zwiegespräch in mir hoch, ich war kurz am überlegen ob ich mich einfach sinnlos besaufe, was aber die Tatsache, dass es mir schlecht ging, nicht wirklich ändern würde, das habe ich früher schon so gemacht und es hat mir nichts gebracht! Im Gegenteil, neben der seelischen Schmach die man erleidet,geht es einem körperlich am nächsten Tag entsprechend dreckigl, und ich wollte definitiv keinen battle zwischen gebrochenem Herzen, und gebrochenem auf dem Boden haben !

Also entschied ich mich mit Bratwürstchen zu berauschen, und ich kann euch sagen die waren so lecker in dem Moment, dass ich ab da den Vegetarier in mir kürzer Hand nach Hause schicken musste! Um ehrlich zu sein hatte ich das auch nur gemacht wegen meiner ex Freundin, weil sie Vegetarierin war, und ich ihr nicht dauernd Fleisch zumuten wollte was im Kühlschrank war! 

Ich war nicht wirklich ehrlich zu mir, klar ist es gut vegetarisch zu leben, vegan sogar noch viel besser, aber wenn man es nicht zu 100% wirklich will, wird es sehr schwer das durch zu ziehen! Ich höre jetzt schon alle Veganer und Vegetarier schimpfen, aber ich musste anfangen ehrlich zu mir selbst zu sein um aus dieser Situation rauszukommen! Das Problem bei vielen Beziehungen die ich hatte, aber auch beobachtet habe, ist dass man schnell zu jemand wird der man eigentlich nicht ist, nur um dem anderen zu gefallen! Sowas ist fatal, weil es unmöglich ist das dauerhaft aufrecht zu erhalten, und so Streits und Trennungen vorprogrammiert sind! So wie bei mir! 

Also gab es ein Festmahl am Grill, im Nachhinein bin ich sehr froh dass ich die Wurst dem Alkohol vorgezogen habe, auch heute 2,5 Jahre später trinke ich nicht! Nicht weil ich nicht darf, sondern weil ich es will, ich habe an Silvester mal ein paar Bier getrunken, geschmeckt haben sie aber nicht wirklich! Aber ich drifte wieder ab!

Ich bin 2 Tage auf dem Campingplatz geblieben, habe Wäsche gewaschen, geduscht und mich halbwegs wieder aufgerichtet ! Von Finn habe ich vom „Foz do Lisandro“ gehört, ein schöner Strand mit diversen Cafés und einer Surfschule! Also nichts wie hin! Ich fuhr also zum Strand und es war tatsächlich wunderschön dort, also suchte ich mir ein Plätzchen unten am Strand zum stehen! Etwas weiter oben war auf einer Klippe ein Riesen Parkplatz, nur leider sehr abschüssig, dort standen auch diverse Busse, aber ich wollte so nah wie möglich ans Meer!

Foz do Lisandro

Ich habe  mich also häuslich eingerichtet am Strand, und sobald ich aufhörte etwas zu tun kam die Trauer wieder hoch! Das ging einige Wochen so, die erste Woche lag ich mehrmals täglich in embryonal Stellung heulend wie ein Schlosshund im Bus, nichts machte mehr Sinn, nichts machte Spaß, mir ging es hundeelend! Ich dachte drüber nach wieder nach Hause zu fahren, alles abzubrechen, schließlich waren alle Pläne die wir gemeinsam hatten nun zerplatzt und ich stand ziellos, allein und verlassen irgendwo in Portugal rum! Niemand da der mich hätte aufbauen können, oder zumindest ablenken! Meine Ex war zumindest mit ihrer besten Freundin unterwegs, und hatte jemand zum reden und reflektieren! War ich nicht bemitleidenswert ? Zu was der menschliche Verstand im Stande ist, kann schon erbärmlich sein! 

Oh wie habe ich mir meinen besten Freund Nandor her gewünscht! 

Aber aufgeben war dann doch keine Option, ich bin so oft in meinem Leben hingefallen, aber niemals liegen geblieben! Und jetzt erst recht nicht dachte ich mir! Ich nahm einen Surfkurs, der nicht viel brachte außer einer ordentlichen Salzwasser Nasenspülung, schlenderte die Promenade entlang, trank mal einen Kaffee, und lies es mir in soweit gut gehen, dass ich mal wieder versuchte durch Konsum mein Loch zu füllen! Dass das nicht ewig gut geht wurde mir schnell bewusst! Mein Reise Budget schrumpfte zusehend!

Ich lernte einige andere Camper kennen, und durch instagram kamen noch ein paar Bekannte nach Ericiera die ich aus Frankfurt von einem Vanlife treffen her kannte!

Eine gemütliche Runde

Wir standen einige Tage zusammen dort unten am Strand , und ich war etwas abgelenkt was mir sehr gut tat! Langsam kam die gute Laune zurück, zumindest immer öfter am Tag, und ich bekam so etwas wie Routine zurück in mein Leben! Ich versuchte mehr und mehr auf mein Herz zu hören, was willst du wirklich vom Leben, was willst DU! Ich habe die Reise ja nicht wegen meiner Ex Freundin gemacht, sondern wegen mir, also reiß dich mal zusammen, und schau dass du das erlebst was du erleben willst! Gesagt getan, ich hing am Strand rum, versuchte zu surfen, habe gut gegessen ,und habe viel gelesen, meistens Eckhart Tolle „Eine neue Welt“, das Buch hat mir sehr geholfen in der Zeit, um nicht zu sagen den Arsch gerettet!

Es ging langsam wieder bergauf, und sollte noch besser werden, dazu aber mehr im nächsten Kapitel!

ich würde mich wieder sehr über einen Kommentar und ein like unter dem Blog freuen wenn er euch gefallen hat, das gibt mir etwas zurück! Danke!

bis ganz bald, 

Ahoi und guuude,

Justin


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8 Antworten zu „KAPITEL 6 „ Alles auf Anfang! „“

  1. Avatar von Tanja Delarue
    Tanja Delarue

    Du schreibst so herzig, da fühlt man richtig dolle mit! Bei dem Bratwürstchenrausch musste ich schmunzeln…und in der damaligen Situation bestimmt besser als ein Alkirausch. Sagt eine Veganerin 😉

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    1. Avatar von Justin Eaton

      Haha dank dir vielmals 🙏🏻

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  2. Avatar von Jane Gladys
    Jane Gladys

    Bin so bei dir! Wundervoll geschrieben. Man fühlt richtig mit. Dicke Umarmung von deiner alten Freundin!

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    1. Avatar von Justin Eaton

      Dank dir Schneddo, das freut mich sehr zu hören!! 🙏🏻

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  3. Avatar von Eloi
    Eloi

    Hab jetzt alle 6 Kapitel durch gesichtet und muss sagen, wirklich schöner Blog! Einfach alles drin, was ich mag. Ich finde besonders großartig zu lesen, wie das Universum dich genau vor die Herausforderung gestellt hast, vor der du Angst hattest. Demnach wohl am meisten gebraucht hast. Genau so wirkt es, nach meiner Erfahrung. Wundervoll. Auch wenn es damals wahrscheinlich alles andere als das war 😉
    Kann kaum erwarten, wie es weiter ging!

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    1. Avatar von Justin Eaton

      Vielen lieben Dank, das tut unheimlich gut etwas Feedback dazu zu bekommen! Ja all meinen Ängsten müsste ich mich öfter stellen, umso besser kann ich jetzt damit umgehen! Damals war es dennoch eine sehr Schmerzhafte Zeit!

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  4. Avatar von Urs
    Urs

    Schön geschrieben. Waren entspannte Tage mit dir und den anderen in Ericeira am Foz do Lizandro. Tolle Gespräche und auch ein bisschen Spaß in den Wellen 😉. Liebe Grüße von Urs und Svenja mit Mats

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    1. Avatar von Justin Eaton

      Ja fand ich auch, und vielen herzlichen Dank, vielleicht kommen so ja auch ein paar Erinnerungen bei euch wieder hoch! 😉

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